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22.1.2010
Das Haus ist voll!
Die Vielzahl der Abschlüsse und die Vielzahl der Abschlussarbeiten im Wintersemester macht die Nutzung jedes Quadratmeters Ausstellungsfläche notwendig. Diesmal muss die Ausstellung sogar auf den Keller ausgedehnt werden. Ein Rundgang durchs Haus.
Das Erdgeschoss wird dieses Jahr zum Großteil von zwei Diplomgruppen der Vertretungsprofessoren Böhm und Bienefeld in Anspruch genommen. Acht Studenten stellten sich die Aufgabe, ein Jüdisches Museum in Köln zu entwerfen. Das Grundstück neben dem Rathaus ist unter geschichtlichen Gesichtspunkten sicherlich das anspruchsvollste Grundstück unter den diesjährigen Aufgabenstellungen. Doch auch die Tatsache, dass für genau jenes Grundstück und genau jene Bauaufgabe in der Realität ein Wettbewerb stattgefunden und das Büro Wandel Hoefer Lorch aus Saarbrücken für sich entschieden hat macht die Aufgabe nicht einfacher. Die meisten Entwürfe lehnen sich daher an der ursprünglichen Bebauung an, der den Rathausplatz wiederherstellt und zu einem intimen umschlossenen Platz macht.
Die zweite Aufgabe beschäftigt sich mit einem Moscheebau in Frankfurt am Main. Die Beschäftigung mit der Typologie dieser Bauaufgabe und ihre adäquate Überführung in eine mitteleuropäische Stadt war daher auch Kernpunkt dieser Aufgabe. Erweitert wurde die ohnehin schon komplexe Aufgabe dadurch, dass die Umgebung der Moschee städtebaulich zu fassen war. Dem momentan gemischten Baugebiet, das vorwiegend industriell geprägt ist, eine geeignete Stadtgestalt zu geben wäre allein schon eine Aufgabe wert gewesen. Die drei Bearbeiter haben sich aber glücklicherweise vor allem auf den Entwurf des islamischen Kulturzentrums konzentriert und konnten dabei teilweise eine erfreulich hohe Tiefe erreichen, die sich in konkreten Materialvorstellungen und Detailfreude niederschlägt. Allen Arbeiten der beiden Vertretungsprofessoren ist gemein, dass sie sich innerhalb der Gruppe auf eine weitgehend einheitliche Gestaltung einigen konnten.
Diesbezüglich werden sie nur von den vier Diplomarbeiten zum Thema „Zirkulation und Transformation als Elemente des konzeptionellen Entwerfens am Beispiel der Liebfrauenkirche in Duisburg-Mitte“ übertroffen. Die schönen, reduzierten Analysemodelle zeigen die wichtige Bauaufgabe Umnutzung, die besonders die unter Mitgliederschwund leidenden Kirchen vor enorme Aufgaben stellt. Deren zahlreiche Immobilien weiterhin würde- und sinnvoll genutzt werden sollen. Es muss daher die Scheu vor Eingriffen in solche Gebäude überwunden werden. Die Diplomaufgabe von Hannes Herrmanns und Carola Wiese ist dazu ein Beitrag.
Von hier aus künden schon die cyanblauen Pfeile von der im Ausstellungskeller gezeigten Aufgabe „bellas artes – ein Hochschul-Hochhaus-Projekt für Bogota“ die von den Professoren Fritz, Siegemund und Schütz betreut wurde. Für die in der kolumbianischen Hauptstadt beheimatete Universidad de los Andes sollte ein Hochhaus entworfen werden, das die Fakultäten Architektur, Literatur, Kunst, Musik und Design beherbergt. Erklärtes Ziel der Aufgabe war es nicht, ein konkretes, baubares Gebäude zu entwerfen, als vielmehr ein image, das das Potential einer Zeichenhaftigkeit sowohl für die Stadt, als auch für die Hochschule hat. Die sehr unterschiedlichen Entwürfe zeigen die Komplexität eines Hochhausentwurfs. Besonders eindrucksvoll ist das Gruppenmodell, das im Blickfeld des Eintretenden liegt. Ein eigens hergestellter Film macht sich die Kellerlage zunutze und gibt dem ansonsten eher unwirtlichen Vorraum eine sinnvolle Nutzung.
Im ersten Obergeschoss finden sich die Arbeiten zum Thema „Projektentwicklung für die Stadt Schleiden Gemünd – Projektideen für einen vorgegebenen Standort“ die von Manfred Koopmann und Maria Mocanu betreut wurde. Die Studierenden hatten die Aufgabe, für zwei von der Stadt zum Verkauf stehende Grundstücke einen Masterplan zu entwickeln und eine Marktanalyse inklusive Tourismuskonzept für den Kurort in der Eifel zu entwickeln. Diese Aufgabe war als Gruppenarbeit zu erbringen. Anschliessend sollte basierend auf diesen Ergebnissen ein eigener Entwurf mit einer Nutzung im Wellness- und Hotelbereich entwickelt werden. Auch bei dieser Gruppe ist das Gesamtmodell und die weitgehend einheitliche Darstellung hervorzuheben.
Ebenfalls im ersten Obergeschoss wird die Diplomaufgabe des Instituts für Städtebau präsentiert. Die vier Diplomaspiranten hatten die Aufgabe, die stadträumliche Situation der Severinsbrücke zu analysieren und die Anschlusspunkte zu beiden Seiten des Rheins einer Neuordnung zu unterziehen, die in der Lage ist die städtebaulich gewünschte stärkere Anbindung des Rechtsrheinischen an die Kölner Innenstadt zu ermöglichen. Nach der gesamtstädtischen Analyse, der Analyse gelungener Brücken im Stadtraum, Mängel und Qualitätenanalyse und den städtebaulichen Bestandsaufnahmen sollte für einen der beiden Anschlusspunkte eine entwurfliche Vertiefung stattfinden.
Das zweite Obergeschoss ist den neuen Abschlüssen vorbehalten. Zwei Masterabsolventen aus den Bereichen Denkmalpflege und Corporate Architecture stellen ihre Ergebnisse vor. Im ersten Fall geht es um die Umnutzung und Erhaltung einer Burg im Irak, im zweiten um das „Virtuelle Museum Kölner Sport“.
Der Großteil des Platzes wird aber von den Bachelorarbeiten in Anspruch genommen, deren Verfasser mit ihrer einheitlichen Darstellung Teamfähigkeit unter Beweis stellen. Die von den Professoren Herrmanns, Fritz, Hempel und Wiese betreute Aufgabe „Nahtstelle Land/Wasser, ehemaliger Zollhafen in Emmerich forderte von den Studierenden die Entwicklung eines städtebaulichen Konzepts für elf Wohneinheiten unter der Berücksichtigung der besonderen Situation zwischen Wasser und Land. Eine der Einheiten sollte weiter präzisiert werden. Die Bachelorarbeiten zeigen, dass die Fertigkeiten auf dem Gebiet von CAD und Rendering denen der Diplomstudenten meist ebenbürtig, teilweise sogar überlegen sind, ein Generationenunterschied?
Das dritte Obergeschoss wird schließlich komplett vom Diplomthema der Professoren Schöndeling und Werling vereinnahmt. Die Aufgabe entstammt dem derzeit laufenden Studierendenwettbewerb der Firma Xella, die die Frage einer Erweiterung des Bode-Museums in Berlin stellte. Die Erweiterung sollte auf dem schwierigen Grundstück über den Kanal hinweg mit einem Skywalk verbunden, zwischen S-Bahn-Trasse und Max Dudlers Bibliothek für die Humboldt-Universität platziert werden. Unter den Arbeiten sind einige gute Ansätze entstanden, die große Masse erforderlichen Raums geschickt und ansprechend anzuordnen und den Vorgaben des Wettbewerbs gerecht zu werden.
Die schiere Zahl der Abschlussarbeiten fordert einiges Durchhaltevermögen beim Gang durchs Haus, doch mitunter lohnt sich ein genauerer Blick auf gestellte Fragen und gefundene Lösungen. Die Arbeiten sind noch bis zum 11. Februar ausgestellt.
Daniel Hubert
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Diplomaufgabe "Jüdisches Museum Köln"
Diplomaufgabe "Neubau einer Moschee in Frankfurt am Main"
Diplomaufgabe "Zirkulation und Transformation als Elemente des konzeptionellen Entwerfens am Beispiel der Liebfrauen Kirche Duisburg-Mitte"
Diplomaufgabe "Bellas Artes, Ein Hochschul - Hochhaus Projekt für Bogota"
Diplomaufgabe "Projektentwicklung für die Stadt Schleiden-Gemünd - Projektideen für einen vorgegebenen Standort"
Diplomaufgabe "Brückenschlag am Beispiel der Severinsbrücke Köln"
Masterthesis "Erhalt und Nutzung der Burg Sherwane in Kurdistan, Irak"
Masterthesis "Virtuelles Museum Kölner Sport"
Bachelorthesis "Nahtstelle Land/Wasser, ehemaliger Zollhafen in Emmerich"
Diplomaufgabe "Ein neues Museum für die Alten Meister - Erweiterung des Bode-Museums in Berlin"
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